6 Schritte zur Professur

Du hast Dich erfolgreich promoviert – vielleicht bist Du bereits habilitiert oder auf dem besten Weg dorthin. Damit rückt eine Professur in greifbare Nähe – und gleichzeitig scheint sie meilenweit entfernt. Für viele Wissenschaftlerinnen beginnt mit diesem Gegensatz eine Leidensgeschichte, die mit viel Arbeit, wenig Selbstbestimmung und noch weniger Freizeit verbunden ist. Natürlich gibt es das ein oder andere Highlight – ein erfolgreiches Projekt, eine gut platzierte Publikation oder eine Auszeichnung, aber insgesamt bestimmt ein tiefes Gefühl der Unsicherheit den Alltag.

Mit Blick auf die kurzen Vertragslaufzeiten und die Nicht-Planbarkeit von Stellenausschreibungen ist das Gefühl von Unsicherheit (oder gar Angst und Verzweiflung) nachvollziehbar. Allerdings ist Angst gleichzeitig die schlechteste Ausgangposition für die erfolgreiche Bewerbung auf eine Professur.
Die beste Chance auf eine Professur haben diejenigen, die nicht von Unsicherheit und Angst geplagt sind, sondern schon vor der offiziellen Berufung als Professorin denken und handeln.

Wie geht das? Hier sind sechs Schritte, die Deine Chancen auf eine Professur maximieren:

1. Kuratiere dein Profil

Natürlich muss jede junior scholar ihre Arbeit veröffentlichen. Wir haben alle von ‚publish or perish‘ gehört. Aber ganz so einfach ist es nicht… eine wilde Sammlung aller möglicher Themen ist beeindruckend, aber es geht auch darum strategisch ein Profil und Forschungsschwerpunkte zu entwickeln. Nicht jeder in Deinem Forschungsfeld kennt bereits Deinen Namen. Aber es ist hilfreich eine Strategie zu haben, um sich mit ausgewählten Forschungsschwerpunkten einen Namen zu machen.

  • In welchen journals sollte Deine Arbeit erscheinen?
  • Mit welchen Themen und konkreten Forschungsprojekten kannst Du Dich dort positionieren?
  • Was fehlt in Deinem Forschungsfeld? Was könntest Du nachhaltig beitragen?

2. Sieh dich selbst als Expertin

Gerade wenn sich Dein Arbeitsplatz und Deine Aufgaben beim Schritt von der Doktorandin zur postdoc vielleicht nicht stark verändert haben, ist es wichtig Dich jetzt mehr und mehr als eigenständige Forscherin zu sehen. Natürlich arbeitest Du weiterhin in Teams und Netzwerken. Aber Du siehst Dich auch als selbständige Wissenschaftlerin, die eine eigene Forschungsagenda entwickelt. Wie zeigt sich das? Zum Beispiel in der Art wie Du Dich auf Tagungen präsentierst. Versteckst Du Dich hinter Team-Projekten? Lässt Du andere präsentieren? Oder merkt man Dir an, dass Du als Expertin etwas beizutragen hast?

3. Werde zur Initiatorin und Innovatorin

… auf Deinen Forschungsgebieten, in Deinem Institut, an Deiner Hochschule: Was fehlt inhaltlich oder mit Blick auf Organisationen auf Deinem Forschungsgebiet? Was wäre neu, innovativ und würde Kolleg:innen aufhorchen lassen? Wenn es darum geht eine Professur zu besetzen, ist die Kommission in der Regel auf der Suche nach einer Person, die Aufgaben übernimmt und voranbringt. Das sind in der Regel nicht Personen, die fünf Extra-Einladungen brauchen. Im Gegenteil: Sie zeigen, dass sie ohne Aufforderung loslegen und die Initiative übernehmen.

4. Übe ständig NEIN zu sagen

Als Professorin werden unendlich viele Anfragen bei Dir ankommen. Hier eine Kommission, dort ein Vortrag, hier ein Gutachten, dort eine Promotionsbetreuung, hier eine Führungsaufgabe, dort eine Mitherausgeberschaft. Setzte Dir Deine eigenen Ziele (privat und mit Blick auf die Wissenschaft) und sag ohne schlechtes Gewissen alles ab, was nicht mit DEINEN Ziele übereinstimmt. Alle anderen Optionen, nämlich immer oder auch nur manchmal JA zu sagen, auch wenn es nicht zu Dir, Deinen Prioritäten und Deinen Zielen passt, verursacht nur Frust und Missmut.

5. Mach ‚Einfallsreichtum‘ zu Deinem 2. Vornamen

Vielleicht kennst Du die Fernsehserie MacGyver aus den späten 1980er Jahren? Der Held der Serie zeichnet sich durch seinen Einfallsreichtum aus. Er findet immer eine Lösung, sich aus den ungünstigsten Situationen zu befreien oder die Situation letztlich für sich zu nutzen. Werde zu MacGyver in Deiner wissenschaftlichen Karriere. Sieh Dich selbst als eine Person, die immer eine Lösung findet.

  • Paper abgelehnt? – Lasst es uns verbessern und woanders einreichen!
  • Antrag abgelehnt? – Welche anderen Optionen gibt es? Nach dem Antrag ist vor dem Antrag.
  • Keynote-Sprecher:in sagt kurz vor der Tagung ab? – Wer kommt stattdessen in Frage? Kannst du vielleicht selbst mit einem Vortrag einspringen?
  • Lehrvorbereitung frisst meine Forschungszeit auf? – Wie kann ich eine produktive Lernerfahrung für Studierende ermöglichen ohne X Stunden vorbereiten zu müssen?

6. Werde Dir 110% darüber klar, warum Deine Forschung und Deine Initiativen wichtig sind

Warum ist Deine Forschung und Dein Beitrag für das Fach, die Kolleg:innen und die Öffentlichkeit wichtig? Welchen Beitrag leistest Du und Deine Arbeit? Für einige Forscherinnen sind die Antworten auf diese Fragen offensichtlich. Andere müssen vielleicht länger darüber reflektieren. Es ist enorm wichtig, hier Antworten zu finden, die Dich selbst überzeugen. Gerade wenn die Dinge nicht so laufen, wie wir es uns vorstellen, braucht es handfeste Gründe, warum es sich lohnt weiterzumachen. Auch andere Personen, z.B. Mitglieder von Berufungskommission werden Dich immer wieder fragen, was Du tust und warum das wichtig ist. Wohlüberlegte und überzeugende Antworten sind das A und O auf dem Weg zur Professur. Und als Bonus kannst Du dann auch endlich Deiner Familie erklären, worum es eigentlich bei Deiner Forschung geht 😉